Melusine 1

Ablauf
Im Laufe der drei Wochen Residency sammle ich zusammen mit den sich im Rahmen des Waldkunstsymposiums auf dem Gelände befindenden Studentinnen des Workcamps den Plastikmüll aus dem Wald. Sie waschen ihn im Goetheteich und hängen ihn (auch zum Ärger der Spaziergänger) dort auf Wäscheleinen zum Trocknen auf. Zusätzlich sammeln wir den durch die Studenten, Künstler und Mitarbeiter des Symposiums anfallenden Plastikmüll und füllen damit zwei von mir aus gelbem Stoff genähte, überdimensionale Fischschwänze.

Bei der Performance sammle ich zu afrikanischen Trommelklängen symbolisch Müll ein und stopfe ihn in die Fischschwänze. Die gefüllten Schwänze transportiere ich auf dem Reifen schwimmend zur Mitte des Teiches. Dort werden sie nacheinander montiert und in die Höhe gezogen.
Inmitten der Installation verwandle ich mich zur »eitlen« Fischfrau mit langem Flachshaar. Die Oboenklänge verzerren sich zu kreischenden Lauten, wenn die Melusine in die Tiefen des Weihers versinkt. Bei ihrem Auftauchen klingen liebliche Flötentöne über den idyllischen Weiher.

Konzept
Zweischwänzige Nixen wurden noch in der Gotik an Klosterportalen und Kirchen angebracht, in apotropäischer Funktion und als Relikte vorchristlicher Kulturen. Die Nixe ist in der Romantik sowohl in Kunst als auch in Literatur ein häufig verwendetes Motiv. Ihr Lebensraum ist das Wasser. Der Weiher stellt in der Mythologie das Tor vom Diesseits ins Jenseits (oder vom Bewussten ins Unbewusste) dar, an dessen Pforte die Wächterin, in diesem Falle die Fischfrau, als Nachfahrin weiblicher Gottheiten sitzt. Die Wasserfrau war besonders in Kunst und Literatur der Romantik die einerseits verführerische, ganz weibliche natürliche Frau – die Muse – und andererseits die mächtige, verschlingende Urmutter – die Triebnatur – vor der sich der Mann fürchtete.

Die Arbeit »Melusine« zeigt die Bipolarität des romantischen Frauenbildes, das mit der ambivalenten Vorstellung und Einstellung der Menschen gegenüber der Natur heute korrespondiert:

1. Die Sehnsucht nach der Idylle der Natur und die Angst vor den Bedrohungen durch die Natur
2. Das Streben des Menschen nach Bewahrung und gleichzeitig seine Zerstörung der Natur.

August 2012, Darmstadt
Goetheteich im Wald am Böllenfalltor, Waldkunstpfad

Kuratorin: Ute Ritschel,
Internationales Waldkunstzentrum, Darmstadt

Percussion: Jems Robert Kokobi

Oboe: Heidrun Finke

Dauer: 30-40 Min.

http://iwz.waldkunst.com/

Equipment:
Plastikmüll, 1 Traktorreifenschlauch,
aus gelbem Gerüstschutzstoff und rotem Spinnakerstoff modellierte Fischschwänze,
eine schwimmende Aufhängevorrichtung (gebaut von Peter Fischer)

Photos © Rolf Gönner

https://vimeo.com/95022466