Versemmelt


Ablauf
Die Künstlerin webt zusammen mit einer Assistentin kleine runde Kaisersemmlen mit Draht zu einer Fläche, die ihrer Körpergröße und ihrem Umfang entspricht. Der Schlauch aus 200 Semmeln wird der Künstlerin übergestülpt und zugenäht. Die lebende Semmelsäule bewegt sich unter den Zuschauern und bietet ihnen an, sich ein Teil aus der Semmelhülle zu nehmen. Um sich von dem Brotgefängnis zu befreien wälzt und windet sich die Künstlerin so lange auf dem Asphalt, bis die Semmeln zerbersten und sie scih aus dem Drahtgewirr befreien kann.

Konzept
Etwas zu versemmeln bedeutet: das Ziel verfehlen, die Chance nicht nutzen können, missglücken.
Das Veredeln bzw. Vergolden von Objekten dagegen steht gleichermaßen für deren Aufwertung. Da die Semmel die Urform des kleinen Brotes darstellt und somit existentiell der Beseitigung von Hungergefühlen dient, stellt sie einen einmaligen Wert dar. Daher liegt es nahe, dass eine Versemmlung auch eine Aufwertung bedeuten kann. Werden die Grundnahrungsmittel, die in dieser Performance für Verkleidungen von Mensch und Objekt verwendet werden, im künstlerischen Kontext sinnlos verschwendet? Bedeuten Üppigkeit und Überfluss für die einen immer ein Verlust von Existentiellen für die anderen?

Das Semmelkleid zitiert die Verkörperung des Weiblichen, wie die vielbrüstige Diana oder die Hodengegürtete Artemis. Die lebende abgerundete Säule erinnert auch an einen Phallus.
Grundlegende Elemente – das weibliche und das männliche Geschlecht – die die Existenz des Menschen garantieren und die Verwendung von einem Grundnahrungsmitteln, das das Überleben des Menschen sichert, werden hier auf skurrile Weise zusammengebracht. Sie sind sowohl Körperzierde für die Performerin als auch einengende Last.

Juni 2010, 20. Arenafestival der jungen Künste, Zukunft aufs Brot,
Internationales Festival für Performance, Tanz und Körpertheater;
Erlangen

Equipment: ca. 200 Semmeln, Draht, Stricknadeln, Tesafilm

Dauer: ca 2 Std.

Fotos: Tom Gonsior